Unser Spieler Dominik Schmitt im MainPost-Interview

Aus MainPost;  19.09.2019 aktualisiert: 19.09.2019
AUTOR : Jörg Rieger

Dominik Schmitt startet durch

Porträt über den Defensivakteur Dominik Schmitt vom TSV Lengfeld aus der Fußball Landesliga.
Das Interview fand auf der Dachterasse der FH Würzburg statt.

Foto: Thomas Obermeier

 

Dominik Schmitt vom TSV Lengfeld weiß, was er will. Soeben hat er sich an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) für Betriebswirtschaftslehre eingeschrieben. Über eine Ausbildung und die Berufsoberschule hat der kürzlich 21 Jahre alt gewordene Innenverteidiger das Fachabitur gebaut. Seit dieser Saison startet Schmitt auch fußballerisch durch.

Stammplatz für den Neuzugang

In nur wenigen Wochen nach seinem sommerlichen Wechsel vom Kreisligisten SV Bütthard in den Würzburger Stadtteil hat sich der Blondschopf einen Stammplatz in der Landesliga erkämpft. Bei der Nullnummer in Geesdorf am letzten Samstag spielte er mit seinem neuen Klub erstmals hinten zu Null. "Es wurde auch Zeit", sagt Schmitt hoch oben in der FHWS-Cafeteria: "Diesmal hat die ganze Mannschaft viel besser verteidigt als zuletzt."

 

Im Match davor setzte es nämlich gegen die FT Schweinfurt zu Hause gleich sechs Gegentreffer – und im vorletzten Heimspiel auch schon deren vier. "Das war eindeutig zu viel. Als die Freien Turner ihr erstes Tor geschossen haben, war bei uns sofort die Verunsicherung zu spüren", gesteht Schmitt, der die TSV-Abwehrkette gemeinsam mit dem nur ein Jahr älteren Jeremias Hofmann organisiert. "Wir ähneln uns von der Spielweise und versuchen, auf dem Feld viel zu sprechen." Schmitt, der an die 1,90 Meter misst, lebt von seinem Stellungsspiel und der Kopfballstärke. Gerade im Spielaufbau gebe es sicherlich Luft nach oben, so der Jungstudent, der noch im Büttharder Ortsteil Höttingen wohnt und als fünfjähriger Steppke beim SVB mit dem Fußball begonnen hat.

 

Zurück zum Heimatverein

Zur U 17 wechselte Schmitt in die Jugend des Würzburger FV. Als Christian Steinmetz in Bütthard Spielertrainer geworden ist, kehrte er 2017 zurück – und bildete mit ihm das Innenverteidiger-Duo. "In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt", erzählt Schmitt. Im ersten Jahr bei den Aktiven gelang ihm mit seinen Bütthardern gleich der Kreisliga-Aufstieg. Im Toto-Pokal war erst im Kreisfinale Endstation.

 

Als sich in seinem Heimatverein ein großer Umbruch abzeichnete und Lengfelds Trainer Michael Hochrein bei ihm anfragte, ging alles ganz schnell. "Wir waren uns sofort einig. Als kleiner Junge habe ich mal bei seiner Fußballschule mitgemacht", berichtet Schmitt, der ohnehin nochmals höherklassig angreifen wollte.

 

Dass es nach einem ordentlichen Saisonstart der Lengfelder (15./11) zuletzt nicht eben rund lief, hat für den Abwehrrecken unterschiedliche Gründe – fehlende Spieler in der Urlaubszeit, jugendliche Unerfahrenheit und der nicht funktionierende Kopf, wenn es erst einmal schlecht läuft. "Ich hoffe, dass wir in Geesdorf den Negativtrend gebrochen haben. Schließlich hätten wir dort auch ohne weiteres gewinnen können, wenn wir bei einem unserer Konter erfolgreich gewesen wären." Schon jetzt merkt man Schmitt die Vorfreude auf die drei Derbys hintereinander Anfang Oktober an: Höchberg (6. 10.), Unterpleichfeld (13. 10.) und Kleinrinderfeld (20. 10.).

 

Den sonntäglichen Gast aus Lichtenfels (11./13) weiß Schmitt dagegen nicht so recht einzuschätzen. Die Oberfranken wurden aus der Nordost-Staffel umgruppiert, haben einen klassischen Fehlstart hingelegt – und ließen zuletzt mit zwei deutlichen Heimsiegen aufhorchen. "Wir müssen defensiv wieder so stabil stehen wie in Geesdorf. Vorne gelingt uns diesmal bestimmt wieder etwas", hofft Schmitt, der nach eigener Aussage hervorragend ins Mannschaftsgefüge aufgenommen worden ist.

 

Als Einstand durfte er sich genau wie die anderen Neuzugänge am Mikrofon versuchen. Was er denn zum Besten gegeben hat? "Wonderwall" von Oasis. Dieses englische Wort hat keine feste Bedeutung, wird aber auch als "mein Bollwerk" übersetzt. So passt der Liedtitel ganz gut zu Schmitt’s Rolle auf dem Rasen bei seinem neuen Verein, dem TSV Lengfeld.

TSV Lengfeld – 1. FC Lichtenfels 
(Sonntag, 15 Uhr)

 

AUTOR Jörg Rieger

 

Artikel aus "anpfiff.info" am 16.8.19 zum Karriereende von James-Joseph Hammond, Thomas Popp und Moritz Vollmer

Artikel veröffentlicht am 16.08.2019 um 18:00 Uhr in „Anpfiff.info“

TSV Lengfeld: Karriereende: Dummes Gelaber und 5000 Euro

Von Thilo Wilke

In einem Freundschaftsspiel zwischen dem TSV Lengfeld und dem FV Würzburg (3:6) schnürten drei Spieler des TSV Lengfeld zum letzten Mal ihre Fußballschuhe:James-Joseph Hammond, Thomas Popp und Moritz Vollmer. Dabei haben die Akteure eine besondere Gemeinsamkeit, denn alle drei Spieler waren in ihren jeweiligen Karrieren nur für die gleichen zwei Vereine aufgelaufen. 

Das gibt es so sicherlich kein zweites Mal im Würzburger Spielkreis, denn drei bekannte Würzburger Fußballer beendeten zur gleichen Zeit ihre jeweiligen Karrieren. Doch die besondere Geschichte ist nicht etwas ihr Karriereende, sondern die Tatsache, dass alle drei Spieler im Herrenbereich für zwei Würzburger Vereine aufliefen. Die ersten erfolgreichen Schritt machten Thomas Popp, James-Joseph Hammond und Moritz Vollmer nämlich bei den Würzburger Kickers, ehe alle drei Defensivspieler beim Landesligisten TSV Lengfeld gelandet waren. Dabei waren die vereinstreuen Spieler gemeinsam, sowohl 2015 bei der Bezirksligameisterschaft der zweiten Kickers-Mannschaft und der Durchmarsch in die Regionalliga, als auch 2017 beim Landesligaaufstieg der Lengfelder entscheidend beteiligt. Ihre Qualität war unumstritten, sodass sicherlich auch andere Vereine im Umkreis die drei Akteure gerne verpflichtet hätten, jedoch hielten die Kicker ihren beiden Vereinen jeweils die Treue. Gerade für den TSV Lengfeld ist das Karriereende ihre drei Leistungsträger ein herber Verlust.

Mehrere Aufstiege

Der US-Amerikaner Hammond spielte von 2008 bis 2016 bei den Kickers und absolvierte dort, in den letzten Jahren auch als Mannschaftskapitän, 99 Meisterschaftsspiele. 2016 wechselte er zum TSV Lengfeld und absolvierte dort weitere 36 Meisterschaftsspiele. Innenverteidiger Popp spielte von 2009 bis 2016 bei den Kickers und danach für Lengfeld. Gesamt absolvierte er für beide Vereine 192 Meisterschaftsspiele; 137 Spiele für Kickers und 65 für Lengfeld. Er kam zudem einmal in der Regionalliga zum Einsatz, als er gegen den FC Augsburg 2 in der Schlussphase eingewechselt wurde. Der 31-jährige Vollmer spielte von 2009 bis 2015 bei den Kickers und wechselte dann zum TSV Lengfeld. Bei den Rothosen kam er in der höchsten bayerischen Spielklasse sogar zu 15 Einsätzen. In gesamt 121 Meisterschaftsspielen (53 Spiele für Kickers und 68 Spiele für Lengfeld) erzielte der oft auch als Verteidiger eingesetzte Spieler beachtliche 20 Tore, 16 davon für Lengfeld. Fast märchenhaft gestaltete sich der Abschluss seiner Fußballkarriere. In seinem letzten Spiel erzielte er in der letzten Minute des Spiels aus 20 Meter ein wunderschönes und unhaltbares Tor. Ein wahrhaft traumhafter Abschluss für einen Fußballer.

 

 anpfiff.info interviewte den 30-jährigen Popp zum Karriereende, der ehrliche Antworten zu seiner Karriere gab.

anpfiff.info interviewte Thomas Popp.

Herr Popp, Ihr drei habt eure jeweiligen Karrieren gleichzeitig beendet. War das zufällig oder doch geplant gewesen?
Thomas Popp: Naja, gleichzeitig nicht wirklich, da die anderen Zwei ja wegen ihren Kreuzbandrissen etwas früher abtreten mussten bzw. Mo wieder zurückgekommen ist, bevor er dann mit mir aufgehört hat. Insgesamt sind wir sehr gut befreundet und ich hatte schon länger den Gedanken aufzuhören. Damals hat Moritz uns ja von den Kickers nach Lengfeld gelotst und da wollte ich eigentlich schon aufhören. Da der Haufen dort aber wirklich interessant und lustig war. Zudem das Fußballerische immer als Hobby angesehen wurde ,wie es bei Kickers zum Schluss leider nicht mehr der Fall war, habe ich dort noch drei Jahre dran gehängt. Das wir alle zusammen aufgehört haben, war mehreren Zufällen gegeben.

Was waren denn für Sie die ausschlaggebenden Gründe für das Karriereende?
Thomas Popp: Freizeit, aber wenn ich nachdenke, so oft war ich auch nicht beim Training. Da die Wiesn und die Ski- und Sommerurlaube ja immer geplant werden müssen, hat sich dahingehend auch nicht viel geändert. Ich hatte schon viele Freiheiten, die ich gerne ausgenutzt habe. Aber ich habe gemerkt das die Kilos heute nicht mehr so leicht runter gehen wie damals. Ich bin ehrlich, wenn man sich zum Hobby zwingen muss, obwohl es dann auch immer Spaß gemacht hat, dann muss man glaub ich die Reißleine ziehen. Auch wenn ich die Jungs und "das dumme Gelaber" sehr vermisse!

Jetzt ist das natürlich eine besondere Geschichte, dass ihr drei eure Karriere gleichzeitig beendet und dabei auch nur für die gleichen zwei Vereine gespielt habt. War das zufällig das ihr jeweils nur für die Würzburger Kickers und den TSV Lengfeld auflauft oder hattet ihr einen gewissen Einfluss aufeinander?
Thomas Popp: Naja, wenn der Umbruch damals bei Kickers nicht so extrem gewesen wäre, denke ich, dass von uns keiner auf die Idee gekommen wäre zu wechseln. Aber da, wie schon gesagt, das Hobby zu ernst wurde, ist mir der Wechsel nicht so schwer gefallen. Ich hätte gerne meine Karriere bei Kickers beendet, jedoch bin ich froh beim TSV Lengfeld gespielt zu haben, da ich hier einige gute Jungs und auch Leute der Verantwortlichen kennen und auch schätzen lernen durfte. Zusammenfassend, Moritz hat JJ (James-Joseph) und mich eigentlich zu Lengfeld geholt und es war gut so!


Hatten Sie nie mal daran gedacht für einen anderen Verein zu spielen?
Thomas Popp: Bei mir ging es beim Fußball nie um das Geld, auch wenn die 5000€ (kleiner Scherz am Rande) im Monat ein ganz gutes Taschengeld waren. Jetzt hab ich den Michael Hochrein in die Bredouille gebracht. Mir war es immer wichtig mit guten Jungs zusammen zu spielen und Spaß daran zu haben, auch nachdem Spiel oder Training das ein oder ander Bier zu trinken. Was bei den Kickers am Ende ja auch nicht mehr geduldet wurde. Also um die Klasse, in welcher ich gespielt habe, ging es mir eigentlich nicht wirklich. Es sollte halt schon um Fußball gehen und nicht um den Ball vorschlagen und hinterher und schauen was daraus passiert. Dafür und das soll nicht abgehoben klingen, wäre ich mir zu schade gewesen. Höherklassig wollte ich nicht mehr spielen, da der Aufwand zu hoch und die Freiheiten mit Sicherheit nicht so gegeben waren, wie ich sie genießen durfte.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückschauen. Was waren die Highlights, die in Erinnerung geblieben sind?
Thomas Popp: Mein Highlight waren natürlich der Aufstieg mit Kickers in die Regionalliga oder auch zwei Jahre später dann mit der U23, als wir erst den Aufstieg in die Landes- und dann gleich in die Bayernliga feiern konnten. Natürlich gehört aber auch mit Lengfeld der Aufstieg in die Landesliga dazu. Ich habe schon einige Aufstiege feiern dürfen, gerade auch in der Jugend mit meinem Trainer Toni Hammer! Aber Stadtmeister bin ich nie geworden, lag bestimmt an den "Kartoffeln", die an meiner Seite gespielt haben.

Sie haben jetzt deutlich mehr Zeit ohne Fußball. Auf was freuen Sie sich jetzt? Und kann es sein das Sie doch nochmal zum Fußball zurückkehren (als Trainer oder Spieler)?
Thomas Popp: Jetzt freu ich mich auf das Abendessen in Venedig und morgen auf die Toskana. Ich freue mich wirklich auf mehr Freizeit, da so ein Spieltag den Vorabend sowie den kompletten Tag einnimmt. Ich bin nun an den Wochenenden viel unterwegs und hau mir den Ranzen voll. Aber ich bin auch ehrlich, ich vermisse den Fußball schon auch! Ich verfolge natürlich immer Ergebnisse aber leider konnte ich mir noch kein Spiel der Lengfelder anschauen. Aber was ich immer geliebt habe, waren einfach die sinnlosen Gespräche untereinander. Das, und einige Jungs vemisse ich schon . Vielleicht werde ich mich mal nächstes Jahr mit dem Verein zusammen setzen und fragen ob sie irgendjemand brauchen, der Bier perfekt kühlt und dafür sorgt das die Mannschaft Spaß hat. Sag niemals nie!


Vielen Dank für das Interview!

 

Artikel aus FuPa.net am 20.8.19 "Lengfeld: Umbruch scheint zu gelingen"

Lengfeld: Umbruch scheint zu gelingen

Dienstag 20.08.19 11:53 Uhr|Autor: Dirk Meier
Der TSV Lengfeld musst im Sommer einen großen Personalumbruch vollziehen Foto: Hans Will

Lengfeld: Umbruch scheint zu gelingen

Trotz einiger Abgänge und einer deutlich verjüngten Truppe schlägt sich der Nordwest-Landesligist bisher wacker
Set 2017 spielt der TSV Lengfeld wieder in der Landesliga, steht nach den Plätzen elf (2018) und sieben (2019) aktuell in der oberen Tabellenhälfte und hat zehn Punkte aus sieben Spielen auf dem Konto.
Die Truppe von Trainer Michael Hochrein (55) und seinem Assistenten Ralf Scherbaum (46) musste vor dieser Spielzeit einen großen Umbruch am Kader verkraften.
Es hat eine deutliche Verjüngung stattgefunden, teils gewollt, teils aus den Umständen heraus. Coach Hochrein will die noch recht unerfahrene Truppe formen und versuchen, am Ende einen einstelligen Platz zu belegen. Für die nächsten Jahre ist dann von dem Team aus Würzburg einiges zu erwarten.


Michael Hochrein ist ein Trainerfuchs, der sehr viel Erfahrung hat, und auch schon schwierige Situation meistern konnte. Einst brachte Hochrein, der A-Lizenz-Inhaber wohnt auch in Lengfeld, den Verein aus der Kreisklasse bis in die Landesliga nach oben. Dann wechselte der Coach zum Würzburger FV, war dort neun Jahre lang sehr erfolgreich und coacht den WFV in der Bayernliga. Seit 2013 ist der Franke, der hauptberuflich Fußballcamps organisiert, wieder Chefanweiser in Lengfeld und führte den Verein vor zwei Jahren aus der unterfränkischen Bezirksliga West nach drei Jahren Abwesenheit wieder zurück in den Verbandsspielbereich. Dort haben sich die Lengfelder bestens eingelebt.

Mit dem bisherigen Abschneiden zeigt sich Hochrein zufrieden: “Es hätte etwas mehr sein können, was die Punktzahl angeht. Zuletzt sind wir in Haibach beim 0:4 unter Wert geschlagen worden. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir einen großen Umbruch am Kader hatten und die vielen jungen Spieler noch relativ unerfahren sind. Es gilt vor allem die jungen Akteure an die Landesliga heranzuführen.”
 
Im Juni beendeten Stammkräfte wie Moritz Vollmer, Thomas Popp und James Joseph Hammond altersbedingt ihre Karriere. Stürmer Igor Mikic, seit vielen Jahren eine Institution beim TSV Lengfeld, suchte noch einmal die Herausforderung Bayernliga und wechselte zum TSV Abtswind. Der langjährige Kapitän und Abwehrchef Andreas Jazev schloss sich zusammen mit Kevin Markert dem Ligakonkurrenten DJK Schwebenried/Schwemmelsbach an. Artem Margel hat sich zum Landesliga-Konkurrenten ASV Rimpar verändert.

“Wir mussten also ein neues Team aufbauen. Das war dann auch so gewollt, denn wir wollen eine neue Mannschaft formen, die Zukunft hat. Es gilt diese jungen Spieler zu formen und sie für die Zukunft aufzubauen. Wir haben dieses Ziel im Verein gemeinsam so besprochen und werden das jetzt umsetzen. Daher werden wir auch mit Rückschlägen, so wie in Haibach, leben müssen.
Auf Dauer wollen wir uns aber in der oberen Tabellenhälfte positionieren”
, beschreibt Hochrein den Weg mit dem TSV Lengfeld.

Artikel aus "anpfiff.info" am 12.08.19: Ralf Scherbaum im Interview

aus "anpfiff.info", vom 12.8.19
 

25 Jahre nach der Sensation: "Alles, was auf´s Tor kam, musste man halten!"

 
Am 14. August jährt sich zum 25. Mal eine der größten Sensationen im Fußball: 1994 warf der TSV Vestenbergsgreuth den FC Bayern München aus dem DFB-Pokal. Vor fast 25.000 Zuschauern erzielte Roland Stein damals das Goldene Tor gegen das Starensemble mit unter anderem Oliver Kahn, Lothar Matthäus oder Mehmet Scholl.
Von Michael Horling
 
Im Kasten der Amateure: Ralf Scherbaum, damals gerade mal 21 Jahre alt. Über den FC Schweinfurt 05 wechselte er vom Würzburger FV ins Teedorf, spielte dort aber nur zwei Saisons, erlebte dann bei den Schnüdeln eine tolle Zeit und stand zum Abschluss nochmal sechs Jahre beim WFV im Kasten, ehe er im Alter von 37 Jahren seine aktive Karriere beendete. Der heute 46-Jährige erinnert sich am Tag des Erstundenspiels der Bayern bei Viertligist Energie Cottbus.


Ralf Scherbaum
anpfiff.info
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Herr Scherbaum, vor wenigen Monaten fotografierten wir Sie vor dem Mannschaftsbus des FC Bayern München 2, als dieses Team beim FC Schweinfurt 05 spielte. Kommen in solchen Momenten immer wieder Erinnerungen hoch an das, was vor 25 Jahren war?
Ralf Scherbaum: Na klar kommen in solchen Momente die Erinnerungen hoch, weil man ja nicht immer gegen Bayern spielt und dann auch noch gewinnt...

Wie war das damals: Rechneten Sie sich vor der Partie überhaupt irgendwas aus gegen diese Ansammlung von Top-Leuten mit ja auch Thomas Helmer, Markus Babbel, Jorginho, Dietmar Hamann, Jean-Pierre Papin...?
Ralf Scherbaum: Nein, man denkt ,nur nicht so hoch zu verlieren - und wenn man dann noch gewinnt, ist es um so schöner, wer der Sieg mit zur größten Pokalsensation zählt.

Sie selbst waren ja eigentlich gar nicht Stammkeeper. Wie kam´s dazu, dass Sie im Kasten standen?
Ralf Scherbaum: Beim Aufwärmen hat sich damals der Stammkeeper Günter Reichold den Finger ausgekugelt. Sein Pech war mein Glück - und das 20 Minuten vor Spielbeginn...

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lengfelds Co-Trainer Ralf Scherbaum beim Jubeln
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Wie nervös ist man, wenn es auf so ein Match zugeht?
Ralf Scherbaum: Man kann nicht nervös sein, wenn man 20 Minuten vor Spielbeginn erst erfährt, dass man spielt. Das heiß: Kurz aufwärmen, reingehen Trikot an und spielen.

War´s das größte Spiel Ihrer Karriere?
Ralf Scherbaum: Kurz und knapp: Ja!

Wie erinnern Sie sich 25 Jahre danach an das Goldene Tor? Läuft das noch immer bei Ihnen wie ein Film im Kopf ab?
Ralf Scherbaum: Nein, eigentlich nicht. Aber man weiß natürlich noch, wie das Tor gefallen ist.

Gab´s eigentlich mal Szenen, in denen der Sieg richtig gefährdet war? Welche Tat war Ihre beste an diesem späten Sommerabend?
Ralf Scherbaum: Ja eine, aber der Ball ist kurz vor Schluss vom Bernd Lunz an den Pfosten gelenkt worden. Aber sonst war nichts Außergewöhnliches dabei, alles, was aufs Tor kam, musste man halten.

 
 
 
 
 
 
 
 
Roland Stein erzielte anno 1994 das Goldene Tor.
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Wie waren die Feierlichkeiten danach?
Ralf Scherbaum: Klar wurde ein bisschen gefeiert, nach dem Spiel ging es zum Mannschaftsessen. Aber ich musste am nächsten Tag wieder auf die Arbeit.

Eigentlich unglaublich, dass damals die Hälfte der Plätze im Frankenstadion leer blieben, obwohl die Bayern spielten. Heutzutage wäre da wohl die Bude knallevoll, was?
Ralf Scherbaum: Wahrscheinlich schon, aber damals war das schon okay. Wann spielt man schon vor 25000 Zuschauern? Ich war ja auch erst 21 Jahre alt.

Gab´s irgendwelche Aussagen der Bayern-Stars danach? Haben Sie das Trikot mit Oliver Kahn getauscht?
Ralf Scherbaum: Nein, kann ich mich nicht erinnern. Aber die Bayern waren nach dem Spiel sofort verschwunden. Leider habe ich nicht das Trikot von Kahn.

Und bei Trainer Giovanni Trapattoni war nach dem Abpfiff die Flasche leer? Wär´s nicht schöner gewesen, wenn er damals "War erlauben Stein?" gesagt hätte statt später das mit Strunz?
Ralf Scherbaum: Na klar, wer hätte vor dem Spiel gedacht, dass wir gewinnen. Aber ein bis zwei Sensationen gibt es ja immer - und wir waren dabei.

 
 
 
 
 
 
 
Wolfgang "Hütte" Hüttner war einer der damaligen Vestenbergsgreuther Topspieler.
anpfiff.info

In Runde zwei fegten Sie den FC Homburg vom Platz. ein gewisser Gerd Klaus traf drei Mal, Wolfgang Hüttner und Uwe Ernst steuerten die anderen Tore bei. Alles frühere oder spätere Schweinfurter. Warum ist es denn angeblich heute nicht mehr möglich, mit einem lokalen Team erfolgreich Profifußball zu spielen?
Ralf Scherbaum: Meiner Meinung nach gab
 
es früher nur Fußball für uns. Aber heutzutage gibt es viel mehr Möglichkeiten für die Jugendlichen wie Handy, Laptop, Computerspiele und so weiter.

Rund drei dann: Das 3:4 nach Elfmeterschießen gegen Wolfsburg. 5.500 Zuschauer am Schwalbenberg in Vestenbergsgreuth. Sie spielten nicht - warum?
Ralf Scherbaum: Weil der Stammtorwart wieder fit war und ich die Spiele davor auch nicht so gut gespielt habe. War ärgerlich, aber musste man so akzeptieren.

Warum sind Sie eigentlich nach nur zwei Saison wieder weg aus Vestenbergsgreuth?
Ralf Scherbaum: Es kam dann die Fusion zwischen Vesten
 
bergsgreuth und Fürth, also das heutige Greuther Fürth - und ich war ja die zwei Jahre fast nur auf der Bank gesessen und wollte wieder spielen.
 

Danach folgten viele Jahre in Schweinfurt, 2. Bundesliga zusammen mit unter anderem Roland Stein.
Ralf Scherbaum: Ja, das waren super Jahre mit einige Aufstiegen...

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Reichlich Grund zum Strahlen hatte1994 auch Uwe Ernst.
anpfiff.info

War´s wirklich nötig, mit nur 31 Jahren 2004 die Schnüdel wieder zu verlassen? Immerhin haben Sie sich danach die Insolvenz erspart....
Ralf Scherbaum: Nein, das nicht, aber ich musste ja gehen, weil der damalige Trainer Hörgl mich nicht mehr wollte.

Nochmal sechs Jahre im Dress des Würzburger FV - ein idealer Ausklang Ihrer Karriere?
Ralf Scherbaum:
 
 
Das stimmt, weil wir in meinem letzten Jahr in die Bayernliga aufgestiegen sind. Besser kann man nicht aufhören.

An welchem Verein hängt Ihr Herz heute am meisten?
Ralf Scherbaum: Nein eigentlich nicht so wie es ist habe ich es mir immer vorgestellt als Co-Trainer und TW-Trainer zu Arbeiten.

Beim WFV wie danach in Kl
 
einrinderfeld und aktuell in Lengfeld waren und sind Sie immer nur als Co-Trainer tätig. War´s nie mal ein Ziel, an vorderster Front zu stehen?
Ralf Scherbaum: Nein, eigentlich nicht. So wie es ist habe ich es mir immer vorgestellt - als Co-Trainer und Towart-Trainer zu arbeiten.

Gibt´s denn zum 25-Jährigen ein Treffen mit den alten Vestenbergsgreuther Teamkollegen? Haben Sie untereinander immer mal wieder Kontakt?
Ralf Scherbaum: Bis zum jetzigen Zeitpunkt weiß ich nichts von einem Treffen - und Kontakt untereinander gibt es auch nicht...

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute!